Psychotherapie vor Abschluss der Beweisaufnahme im Strafverfahren? Traumatherapie als potenzielle Fehlerquelle bei der Tatsachenfeststellung

Beitrag zur Veröffentlichung angenommen in der Fachzeitschrift Kriminalistik (in print) / Stand November 2018:

Es gilt als gesichert, dass sogenannte Pseudoerinnerungen an tatsächlich nie stattgefundene Ereignisse unter bestimmten Umständen künstlich generiert und verstärkt werden können. Fatal dabei ist, dass Scheinerinnerungen aus aussagepsychologischer Sicht mitunter eine hohe Aussagequalität aufweisen und nur mit hinreichender Sicherheit auszuschließen sind, sofern es keine Hinweise für eine erhöhte Suggestibilität des Zeugen und es keine suggestiven Außenkriterien gibt. Als nicht unerhebliche mögliche Fehlerquelle haben sich in diesem Zusammenhang einem Strafverfahren vorangehende  und begleitende traumatherapeutische Behandlungen erwiesen. Insofern ist ein Streit darüber entbrannt, ob es nicht besser wäre, einem mutmaßlich geschädigten Zeugen nahe zu legen, bis zum Abschluss der Beweisaufnahme auf psychotherapeutische Unterstützung zu verzichten.

Risiko Pseudoerinnerungen: Mögliche Einflüsse von Psychotherapie auf die Aussage mutmaßlich Geschädigter

Vortrag beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg / AK Opferschutz am 19. Juli 2018

Wohlmeinende Unterstützer innerhalb und außerhalb des therapeutischen Settings laufen Gefahr , zum Entstehen und zur Stabilisierung von „falschen Erinnerungen“ beizutragen, da bereits positive Rückmeldungen suggestive Wirkung entfalten können. Dies gilt es im Ermittlungs- und Strafverfahren imZusammenhang mit der Frage nach der Aussageentstehung dringend zu berücksichtigen.

Einfluss der Psychotherapie auf das Strafverfahren: Veränderung der Aussage des Opferzeugen aus gutachterlicher Sicht

Beitrag vorgestellt auf der Fachtagung: „Im Blick: Psychische Traumafolgen“
am 05.03.2018 im Rahmen des 26. Opferforum in Mainz

 

Bei der Begutachtung der Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen geht der Aussagepsychologe nach einer hypothesengeleiteten Methode vor, welche die Nullhypothese („Die Aussage ist unwahr“) erst als widerlegt erachtet, wenn überwiegende Gegengründe plausibel aufgezeigt werden können. Eine maßgebliche Rolle kommt hierbei dem menschlichen Gedächtnis zu, welches komplex, begrenzt und durchaus störanfällig ist: Erinnerungen verändern sich ständig unbewusst aufgrund neuer Eindrücke. So kommt es bei Zeugenaussagen nicht selten zu subjektiv wahren, aber objektiv unzutreffenden Darstellungen. Begleitumstände und Rahmenbedingungen von Aussageentstehung und -genese sind insofern im Rahmen der aussagepsychologischen Begutachtung von großer Bedeutung. Neben der bewussten Falschaussage spielt auch der potenzielle Einfluss suggestiver Faktoren eine beträchtliche Rolle bei der gutachterlichen Fehlerquellenanalyse. Sogenannte Pseudoerinnerungen können durch aktive Suggestion oder Autosuggestion entstehen. Gerade affektive oder kognitive Bedürfnisse, womöglich einhergehend mit einer emotional-instabilen Persönlichkeitserkrankung oder -Akzentuierung, machen Personen mitunter stark empfänglich für suggestive Einflüsse. Mahnende Stimmen aus der juristischen, kriminalistischen und rechtspsychologischen Literatur (vgl. Eschelbach 2016, Köhnken 2015, Gasch 2015, Mack 2014) weisen darauf hin, dass bereits das Strafverfahren selbst, sowie informatorische Vorgespräche und begleitende „aufdeckende Therapien“ etc. etliche Einfallstore bieten, welche zu einer Modifikation von Erinnerungen  bei der betroffenen Person führen können und dass dieses Risiko strukturell unterbewertet wird.

Psychotherapie während des Strafverfahrens(?)

Psychotherapie während des Strafverfahrens(?) – Rollen, Regeln und Spannungsfelder

Beitrag vorgestellt an der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz der LMU München am 23.01.2018

Dynamische Gefährdungsanalyse als Basis für erfolgreiches Bedrohungsmanagement bei Stalking

Beitrag vorgestellt auf der interdisziplinären Fachtagung „Stalking und Häusliche Gewalt – 10 Jahre Stalkinggesetz“

am 29.11.2017 in Freiburg

Gaffen 4.0 – Schneller auf Youtube als im Rettungswagen!

Kriminalpsychologische Annäherung an den hässlichen Bruder der Neugier
Von Dr. Ursula Gasch und Luise Weber

Fachzeitschrift Kriminalistik, Ausgabe 10/2017, S. 571 ff.

Terrorismus und Radikalisierung: Kriminalpsychologische Aspekte

Beitrag vorgestellt auf der Fortbildung und Mitgliederversammlung der Sektion Angestellte und Beamtete Psychologen des BDP in Stuttgart am 15.10.2016

Gefährdungsanalyse am Beispiel Stalking (2016)

Beitrag vorgestellt auf dem Seminar „Rechtspsychologie und Forensische Psychiatrie“, vom 01.-03. Juni 2016 an der Deutschen Hochschule für Polizei in Münster

Aspekte der Psychosozialen Notfallversorgung PSNV als Bestandteil des zukünftigen 3. Opferrechtsreformgesetzes

Beitrag im Rahmen der „4. Fachtagung Notfallpsychologie“ vom 15.-17. Oktober 2015 in Magdedeburg

Vom personalen Beweismittel zum informierten Prozessbeteiligten: Psychotraumatologische Aspekte des 3. Opferrechtsreformgesetzes

Beitrag vorgestellt im Rahmen der Fachtagung „Informierte Opfer – Infovictims“ durchgeführt vom Weissen Ring am 23. September 2015 in Göttingen / 21. Oktober 2015 in Augsburg

Opfer, Ermittler und Justiz: Einordnung und Bewertung traumarelevanter Aspekte im Ermittlungs- und Strafverfahren

Buchbeitrag in: „Kriminalitätsbekämpfung – Ein Blick in die Zukunft“. Hrsg.: H. Artkämper und H. Clages. Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Kriminalistik,  Band 5 (Boorberg Verlag)

Der Weg zum Terroristen: Kriminalpsychologische Aspekte der Radikalisierung

Fortgesetzte Beiträge vorgestellt im Rahmen der „Salzburger Hochschulwochen 2015“ (Rahmenthema „Prekäre Humanität“) am 31.07. und am 01.08.2015