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Sicherheitsrelevante Vorfälle und Bedrohungsmanagement an deutschen Gerichten – eine Bestandsaufnahme (in print)

In: Report Psychologie 05/2020

Sie werden bedroht, angegriffen, verletzt oder gar getötet: Für Richter und Staatsanwälte sind sicherheitsrelevante Vorfälle an deutschen Gerichten längst keine Seltenheit mehr. Jeder einzelne Vorfall verdeutlicht das prinzipiell immer gegenwärtige Gefährdungsrisiko sowie die Notwendigkeit, strukturelle Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, die individuelle Sensibilität zu erhöhen, Risiken zu bewerten und gegebenenfalls angemessene Maßnahmen zu ergreifen. Dies beginnt bereits beim Aktenstudium der Juristen in Vorbereitung auf die jeweilige Verhandlung – Hinweise auf psychische Auffälligkeiten, wie z.B. Affektlabilität; Fanatismus und Persönlichkeitsakzentuierungen sowie krisenhafte Lebensereignisse (z.B. im Zusammenhang mit Sorgerechtsstreit) oder drohender Gesichtsverlust können bereits ein Warnsignal darstellen. Dabei scheint es in der Strafgerichtsbarkeit nicht öfter zu Aggressionen und tätlichen Übergriffen zu kommen als beispielsweise in den Bereichen der Familien-, Sozial- oder Arbeitsgerichtsbarkeit. Noch fehlt ein bundeseinheitliches Lagebild zu Attacken auf Richter und Staatsanwälte im deutschen Raum.

Die als forensische Gutachterin tätige Verfasserin bildet Richter und Staatsanwälte an Fortbildungseinrichtungen der Deutschen Justiz, wie beispielsweise der Deutschen Richterakademie, im Bereich Bedrohungsmanagement fort und lehrt Forensische Psychologie im Masterstudiengang Kriminalistik an der Steinbeis-Hochschule, CiFoS, in Berlin.