Psychotherapie vor Abschluss der Beweisaufnahme im Strafverfahren? Traumatherapie als potenzielle Fehlerquelle bei der Tatsachenfeststellung

Beitrag zur Veröffentlichung angenommen in der Fachzeitschrift Kriminalistik (in print) / Stand November 2018:

Es gilt als gesichert, dass sogenannte Pseudoerinnerungen an tatsächlich nie stattgefundene Ereignisse unter bestimmten Umständen künstlich generiert und verstärkt werden können. Fatal dabei ist, dass Scheinerinnerungen aus aussagepsychologischer Sicht mitunter eine hohe Aussagequalität aufweisen und nur mit hinreichender Sicherheit auszuschließen sind, sofern es keine Hinweise für eine erhöhte Suggestibilität des Zeugen und es keine suggestiven Außenkriterien gibt. Als nicht unerhebliche mögliche Fehlerquelle haben sich in diesem Zusammenhang einem Strafverfahren vorangehende  und begleitende traumatherapeutische Behandlungen erwiesen. Insofern ist ein Streit darüber entbrannt, ob es nicht besser wäre, einem mutmaßlich geschädigten Zeugen nahe zu legen, bis zum Abschluss der Beweisaufnahme auf psychotherapeutische Unterstützung zu verzichten.